Rosarote Zeiten oder der Anfang einer langen Rezession – was wird die Zukunft bringen?

Laissez-faire und totale Marktfreiheit, das war gestern – heute stehen wieder strenge Regulierung und Verstaatlichung auf der Tagesordnung. Spätestens in Davos, wo das Weltwirtschaftsforum vom 28. Januar bis 1. Februar tagte, wurde das Ende des ungezügelten amerikanischen Cowboy-Kapitalismus eingeläutet. Nun steht dem weltweiten Finanzsystem ein radikaler Umbau bevor,  wenn wir den Aussagen Nouriel Roubinis folgen. Der US-amerikanische Wirtschaftsökonom sieht die globale Wirtschaft im freien Fall und sagt der Weltkonjunktur eine lange Durststrecke mit Stagnation, Deflation und hoher Arbeitslosigkeit voraus. „Mit Glück“ werde es vielleicht Ende 2010 langsam besser, so Roubini in einem kürzlich erschienenen STERN-Interview. Dies erfordere aber ein rasches und konzertiertes Handeln aller Regierungen, wie er auf dem Institutional Money Kongress in Frankfurt betonte. Andernfalls wäre ein Japan-Szenario denkbar, mit jahrzehntelanger Stagnation.

 

Welt im Umbruch
Ebenfalls wenig Grund für Optimismus sieht Heiner Flassbeck, der ehemalige Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen: „Es gibt derzeit keinen einzigen Wirtschafts-Indikator, der nach oben zeigt." Niemand wisse, ob und wann der nächste Aufschwung komme und die Trendwende könne noch zehn Jahre oder länger auf sich warten lassen. In seinem neuen Buch „Gescheitert“ rechnet er denn auch mit der vor der Wirtschaft kapitulierenden Politik ab: Die Antworten aller Parteien in Deutschland auf die drängenden wirtschaftspolitischen Fragen seien kläglich, so Flassbeck. In einem Interview mit dem Handelsblatt sieht Klaus Martini, Vorstand der Wilhelm von Finck AG, die ganze Welt im Umbruch. Für ihn ist die aktuelle Krise „keine zyklische, sondern eine strukturelle auf der Suche nach einer neuen Werte- und Gesellschaftsordnung.“

 

Keine Basis für vernünftige Planungen
Roland Leuschel, ehemaliger Direktor der Bank Bruxelles Lambert glaubt, dass der DAX sich noch ein weiteres Mal halbieren wird. Damit läge er dann bei 2.000 Punkten. Und für das Jahr 2014 prophezeit Leuschel schon einmal die nächste Währungsreform. Möge doch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung mit seiner gemäßigten Prognose Recht behalten: Laut stern.de vom 24. Februar erwarten die Volkswirte, dass es Ende des Jahres langsam wieder bergauf geht. Während die einen also schon von Erholung reden, sind für die anderen die jetzigen Zeiten im Vergleich zu dem, was noch kommen wird, geradezu rosarot.

 

Haben wir also die Talsohle schon bald erreicht oder ahnen wir noch gar nicht, welche weiteren Pokerspiele die Banken noch aufdecken werden? Welche Risiken stecken noch in den Krediten der Finanzinvestoren, die sich in den letzten Jahren mit einem hohen Fremdfinanzierungsanteil in deutsche und andere europäische Unternehmen eingekauft haben? Auch IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn warnte vor weiteren, bisher unbekannten Verlusten im Finanzsektor. Die Tatsache, dass ein Teil der Risiken immer noch nicht aufgedeckt sei, schaffe erhebliche Verunsicherung. Außerdem kritisierte er das zu langsame Vorgehen der Industriestaaten bei der Stabilisierung ihrer Banken.

 

Hohes Prognoserisiko

Der Faktor Zeit spielt in dieser Krise tatsächlich eine besonders große Rolle: Diskutierte man vor gut einem Jahr sogar in Expertenkreisen noch über die Frage, ob überhaupt eine Krise zu erwarten sei, so sprechen die Ökonomen heute von der schwersten Rezession seit den Dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Die mangelnde Planungssicherheit gehört dabei aufgrund der Schnelligkeit und Unberechenbarkeit der Ausmaße der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung für viele Unternehmen zu den größten Herausforderungen. Für Unternehmer und Abschlussprüfer beinhaltet sie zudem ein hohes Prognoserisiko und verursacht gerade in den Finanzabteilungen einen erhöhten Aufwand.