
Fantastische Beispiele für schlechtes Working Capital Management
Erkennen Sie sich wieder? Hoffentlich nicht! Falls doch: Unter diesen Beispielen finden Sie auch einige aus Unternehmen, bei denen man es sicherlich nicht vermuten würde... Hier einige Exempel für schlechtes Working Capital Management – manches davon aus der Praxis. Vieles scheint banal, doch meist ist es die Häufung von Banalitäten, die zu großen Problemen führt:
- Eine Auszubildende im 3. Lehrjahr erhält vom Werksleiter den Auftrag, jedes Sonderangebot, das 7 Prozent besser ist als der Basispreis, zu bestellen. Sie bestellt, was sie kann – was sie ordert, würde voraussichtlich für die nächsten vier Jahre reichen.
- Der Inhaber ist gleichzeitig für Vertrieb und Produktion verantwortlich, Missverhältnisse kommen zum Tragen im Hinblick auf die Finanzierbarkeit seiner Maßgaben. Wird der Finanzbereich nicht im gleichberechtigten Verhältnis geführt, kann es sein, dass im technischen Segment Dinge entwickelt werden, die nicht bezahlt werden können oder die sich nicht verkaufen lassen.
- Der Vertrieb agiert allein, arbeitet losgelöst von der Fertigung. Lieferzeiten werden nicht berücksichtigt, Materialdispositionen werden unkontrolliert ausgelöst. Der Einkäufer bestellt Materialien und Rohstoffe, obwohl die Fertigung nicht informiert ist. Die Lieferung steht zwei bis drei Wochen in der Produktion und verursacht Kosten.
- Ein Verlag, der ein Beschaffungsvolumen von 47 Mio. EUR hat, zieht nur 53.000 EUR Skonto.
- Ein Verlagshaus benötigt bis zu 60 Tage, um seinen Werbeagenturen (Kunden) die bereits geschalteten Anzeigen in Rechnung zu stellen – aufgrund von Abstimmungsschwierigkeiten. Darüber hinaus beträgt das Zahlungsziel ganze 90 Tage.
- Ein großer internationaler Konzern (mit einem Beschaffungsvolumen im dreistelligen Millionenbereich allein in Deutschland) verzichtet über einen langen Zeitraum auf das Ziehen von Skonto.
- Aufgrund von unzureichenden Qualitätskontrollen können bereits bezogene und gezahlte Waren nicht weiter verarbeitet werden und werden komplett abgeschrieben.
- Besucher eines Unternehmens können nicht mehr auf dessen Hof fahren, weil der vollgestellt ist mit Materialien, die im Lager keinen Platz mehr finden.
- Völlig überdimensioniert werden Werbemittel beschafft, die in Lagern und Büros darauf warten, entsorgt zu werden (Stichwort: Kalender).
- Tonnen von verschiedensten Cartridges für Drucker häufen sich, bedingt durch fehlende Standards beim Einkauf von Büromaterialien.
- In Unternehmen werden Schlachten mit Präsentationen geführt, mit unzähligen farbig ausgedruckten Folien – symptomatisch für fehlendes Umwelt- und Working Capital-Bewusstsein.
- Ein Unternehmen setzt seit Jahren nur auf Wachstum, Marktanteile und Umsatz. 80 Prozent der Forderungen sind überfällig. Allein schon 70 Prozent länger als dreißig Tage. Nach Aufklärung über die fatalen Folgen, nach schonungsloser Darstellung der Kosten dieses Missmanagements und Einführung eines systematischen Working Capital Managements ist unter den Außendienstmitarbeitern ein regelrechter Wettbewerb entstanden, wer denn die Forderungen schneller abbaut. Alles sehr zum Wohle des Working Capital!