Interessant oder auch wirksam? Bewertung einiger Instrumente des Working Capital Managements

Welche Instrumente sind relevant und wirksam, welche klingen nur interessant? Wir wollten von Interim Manager Martin Franssen wissen, welche Vor- und Nachteile er im Einsatz einzelner Instrumente des Working Capital Managements sieht:

Factoring

Ein Factoring-Unternehmen erwirbt die offenen Forderungen eines Kunden, die dieser gegenüber seinen Lieferanten hat. Der Forderungskaufpreis wird quasi sofort bezahlt, abzüglich einer Factoringgebühr.

Pro:

Das Ausfallrisiko reduziert sich, im Idealfall Verbesserung der Adhoc-Liquidität. Das Mahnwesen wird outgesourct (dies kann aber auch ein Nachteil sein, zum Beispiel höhere Fehleranfälligkeit).

Contra:

Ist sehr kostenintensiv (gerade im jetzigen Umfeld) und somit nur geeignet für Produzenten und Lieferanten von relativ margenträchtigen Gütern und Dienstleistungen.  

Zum Teil besteht ein langer Zeitraum, bis die Liquidität dem Unternehmen zugeführt wird.

Kunden mit schlechter Bonität bzw. Rating können vom Factoring ausgeschlossen werden.

 

Vertrieb, der nur bei Zahlungseingang provisioniert wird

Erst, wenn das Geld auf dem Konto des Unternehmens eingegangen ist, gilt der Auftrag als provisionsfähig.

Pro:

Stellt sicher, dass der Vertrieb auch liquiditäts- und damit working-capital-orientiert agiert (keine „Take-the-money-and-run-Mentalität“).

Contra:

Eventuell werden Umsätze nicht realisiert, die aber wahrscheinlich ohnehin unerfreuliche Ergebnisse zeitigen würden.

 

Nachfrage-orientierte Produktion

Pro:

Dies ist aus meiner Sicht ein tolles, generisches Konzept, das allerdings selten in der Realität zu finden ist. Gerade bei Nachfrageeinbrüchen im zweistelligen Prozentbereich. Hier zeigt sich insbesondere auch die Problematik der Remanenzkosten (Kosten sinken bei rückläufiger Beschäftigung nicht in dem Maße, wie sie bei zunehmender Beschäftigung gestiegen sind).

 

„Über“-Skonto für Schnellzahler

Bei margenträchtigen Gütern und Dienstleistungen wird gegenüber Kunden ein höherer Skontobetrag gewährt

Pro:

Schnellerer Liquiditätsrückfluss.

Contra:

Drückt die Marge und ist kein Garant, dass auch tatsächlich schneller gezahlt wird. Sollte man nur bei sehr guten und großen Kunden machen. Außerdem wird es schwierig, dies in besseren Zeiten wieder zurückzudrehen.

 

Ausnutzen des Skontos auf der Nachfrageseite

Pro:

Schnellerer Liquiditätsrückfluss.

 

Extrem schnelles Stellen von debitorischen Rechnungen

Pro:

Schnellerer Liquiditätsrückfluss.

 

Barzahlungen

Pro:

Ultimativ sicherer Zahlungseingang vor oder bei Erbringung der Leistung.

Contra:

Verärgerung von einzelnen Kunden. In vielen Branchen und Industrien nicht geeignet.

 

Sale & Lease Back

Wird teils im Zusammenhang mit der Optimierung des Working Capital genannt, findet aber Anwendung bei Vermögensgegenständen, die sich im Anlagevermögen befinden und daher nicht dem Umlaufvermögen zuzurechnen sind.

Pro:

Verbessert die Liquiditätssituation des Unternehmens. Die Liquidität kann für das operative Geschäft verwendet werden, was insbesondere gut ist, wenn dies renditeträchtiger ist, als eine festverzinsliche Anlage.

Contra:

Führt tendenziell zu höheren Kosten bzw. zu Kosten, die zuvor kalkulatorischer Natur waren, nun aber Aufwand (Liquiditätsabfluss) darstellen. Werden die langfristigen Vertragsparameter variabel gestaltet (wenn zum Beispiel Miet-/Zinssteigerungen sich an der Inflationsrate orientieren etc.) birgt dieses Instrument erhebliche und schlecht kalkulierbare Risiken (siehe Arcandor).